16. Oktober 2021

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Bundesdeutscher Pflegetag: Ohne Reformen fehlen bald eine halbe Million Pflegekräfte

Der Pflegebedarf in der Bundesrepublik wächst, das Personal ist knapp. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind seit Langem bekannt. Zum Auftakt des Bundesdeutschen Pflegetag fand der scheidende Bundesgesundheitsminister Spahn dennoch lobende Worte für bisherige Maßnahmen.

Zweihunderttausend Menschen – so viele Pflegekräfte wie Einwohner einer Kleinstadt – fehlen bereits jetzt in der Bundesrepublik. Schon bald könnte eine halbe Million Pflegekräfte fehlen, wenn nicht drastisch gegengesteuert wird, warnte Christine Vogler, neue Präsidentin des Bundesdeutschen Pflegerats auf dem Bundesdeutschen Pflegetag in Berlin.

Im Jahr 2030 werden demnach die Pflegebedürftigen um eine weitere Million auf 5,1 Millionen Menschen anwachsen. Dringende Reformen sind bitter nötig, warnten auch andere aus der Branche. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) setzt auf vermeintlich kreative Lösungen: Die „Potenziale des Alters sollten gesehen und die Lust an Teilhabe der nicht mehr berufstätigen Menschen viel stärker erkannt“ werden, so der KDA-Vorsitzende Helmut Kneppe, der davon unabhängig ebenfalls höhere Löhne in der Pflege fordert. Häusliche Pflege durch Angehörige müsse stärker in den Blick genommen werden, so Frank Schumann, Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin. Dies sei während der Pandemie durch die Schließung von Tagespflegeeinrichtungen und ähnlichem besonders deutlich geworden.

Auch die Pflegeratspräsidentin Vogler betonte die Bedeutung pflegender Angehöriger. Denn solange die Situation mit dem Pflegefachpersonal nicht korrigiert werde, falle diese Aufgabe auf die Familien zurück. Die bestehenden und absehbaren Probleme seien strukturell und hätten längerfristig somit auch eine volkswirtschaftliche Dimension, erklärte Vogler. Es sei davon auszugehen, dass die Pflege von Angehörigen privat übernommen werden muss, was sich dann im Wirtschaftsleben widerspiegele. Sie fordert einen angemessenen Lohn, den sie bei 4.000 Euro ansiedelt und zeigt auf, dass der Personalbedarf zudem mit der Qualität der Pflege zusammenhängt, entsprechend also steigen müsste.

 

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