16. Oktober 2021

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Das überlebenswichtige Gedächtnis Teil 3

Abspeicherung erfolgt Schritt für Schritt, in unserem Gedächtnis

Bevor ein deklarativer Gedächtnisinhalt dauerhaft abgelegt ist, durchläuft er mehrere Stufen der Speicherung. Das Ultrakurzzeitgedächtnis ist für die sensorische Reize aus der Umwelt zuständig. Von hier werden die Information ins Kurzzeitgedächtnis übertragen, das man mit dem Arbeitsgedächtnis vergleicht . Tatsächlich ist das Arbeitsgedächtnis mehr eine Schnittstelle zwischen Kurz– und Langzeitgedächtnis und einige Forscher sehen in ihm gar eine Grundlage für unser Bewusstsein. Doch beiden ist eines gemein: Es werden Informationen in einem Zwischenspeicher gelagert, um möglichst schnell wieder abgerufen werden zu können.

Das Volumen des Kurzzeitgedächtnisses ist begrenzt und kann schnell überschritten werden, wenn andere Information wichtiger erscheinen oder wir abgelenkt werden. Ist das Ereignis oder die Information relevant genug, wird sie zur weiter Verarbeitung an den Hippocampus geleitet. Hier beginnt ein Prozess zur dauerhaften Abspeicherung von deklarativen Gedächtnisinhalten ins Langzeitgedächtnis, die so genannte Gedächtniskonsolidierung.

Verletzungen in bestimmten Arealen des Gehirns können entsprechende Aspekte des Gedächtnisses beeinträchtigen, andere sind nicht davon betroffen. Damit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die verschiedenen Konstrukte von Gedächtnisinhalten an unterschiedlichen Orten im Gehirn verarbeitet und gespeichert werden.

Der Sitz des Gedächtnisses

Es gibt keinen spezifischen Ort, an dem unsere Erinnerungen abgelegt werden. Spezielle Gedächtnis-​Neurone sucht man im Gehirn vergeblich. Es wird angenommen das die Struktur der genannten neuronalen Korrelate unserer Erinnerungen, die Gedächtnisspuren, weit über das Neuronennetz verteilt sind. Von Vorteil ist, dass im Falle einer Verletzung nicht sofort alle Gedächtnisinhalte verloren gehen. Das altersbedingte Nachlassen des Erinnerungsvermögens wird dadurch nur teilweise angegriffen. Für die Bildung von bewusst werdendem Gedächtnis ist der Hippocampus, der die Erinnerungen an die jeweiligen Hirnregionen des Vorderhirns weiterreicht und deren Abruf koordiniert, zuständig ist.

Bisher sind die Orte zur Abspeicherung noch nicht bekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass die einzelnen Aspekte eines Gedächtnisinhalts genau dort abgespeichert werden, wo sie zum ersten Mal eintrafen. Der visuelle Teil von Erinnerungen also im visuellen Cortex, Klänge und Stimmen im auditiven Cortex, Berührungen in den somatosensorischen Arealen der Hirnrinde.

Wie aber kommen wir nun wieder an unsere Erinnerungen heran?

Erinnerungen treten auf, wenn im Gehirn ein bestimmtes neuronales aktives Muster entsteht, das als Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis generiert wurde – also der Struktur ähnelt, das bei der Gedächtnisbildung entstand. Dies kann zum einen über äußere Reize geschehen. Der Duft von Zimt erinnert uns an ein schönes Weihnachtsfest das wir als Kind erlebt haben, die Geräusche eines bestimmten Bachs. Das Stimmungen, Gerüche oder Orte, an denen man etwas gelernt hat, das Abrufen von Gedächtnisinhalten erleichtert, wurde durch Studien bestätigt. So erinnerten sich Studienteilnehmer, die betrunken eine Anzahl von Wörtern lernen sollten, besser an diese, wenn sie wieder betrunken waren. Fotos helfen dem Gedächtnis ebenso auf die Sprünge. Wie genau jedoch bewusstes Abrufen von Erinnerungen geschieht, ist noch nicht ganz aufgeschlüsselt worden.

Leider ist die Wahrnehmung nicht völlig identisch mit dem Originalerlebnis. Die Hirnforschung bestätigt, die Erinnerungen werden bei jedem Aufruf verändert. Teilweise so sehr, dass sie kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Geschehen zu tun haben.

Erinnern ist die kreative Phase eines Prozesses

Und manchmal sind sie auch ganz weg – zumindest scheinbar. Es gibt einen interessanten Unterschied zwischen der Anwesenheit einer Erinnerung und der Fähigkeit, diese auch abzurufen. Warum das Gedächtnis manchmal versagt, ist noch immer unbeantwortet.

 

Redaktion ddbnews